28 März 2014

mit gesenktem blick stehen wir da. alle meiden kontakt, ein gesprächsthema fehlt schon lange. nur sie. sie steht da und lacht. grinst mich an, als ich sie ansehe. beschämt gucke ich weg, stelle mich neben meine tante und empfange die leute.
mit der anzahl der menschen, die eingetreten sind, stieg auch die anzahl der tränen, die sich in meinem augen sammelten. ich drehe mich zur seite und unterdrücke meine gefühle, will nicht jetzt schon zeigen, wie weh es tut. ..die atmosphäre wird komischer, das warten ist seltsam. meine tante ging raus, und dann kam er. ich war so überrascht, dass ich nicht wusste, ob ich mich über das wiedersehen freuen oder weinen sollte. die tränen liefen. nur einmal guckte er mich an, während er sie im arm hielt.
irgendwann waren dann alle da. und wir saßen. vor mir das aufgebaute gedenken. es war wunderschön und herzzerreißend zugleich. ich fing an zu weinen, schon bevor der pfarrer kam. und nach und nach wurden mehr taschentücher benutzt, als wir alle halten konnten. die rede begann, und ich starrte nur auf sie. vor mir. asche und staub. und doch so wunderschön.
inmitten der gefühle von trauer, die sich durch unendlich fließende tränen wiederspiegelten, biss ich mir auf die lippe und presste die augen zusammen. ich konnte nicht mehr. schreien. ich wollte schreien. ich wusste nicht, wie ich überleben sollte, nach diesem moment. und es erforderte mehr kraft als ich gedacht hätte, einfach nur zu trauern.
draußen, umgeben von grabsteinen und pfeifendem wind, standen wir nun. und die tränen liefen unaufhörlich. meine tante und ich standen dort hand in hand, und drückten sie fest, um uns zu zeigen, dass wir nicht alleine sind. den ganzen tag hielt ich sie immer wieder an der hand, weil sie mir fehlte und weil ich ihr nah sein wollte. und auch jetzt laufen die tränen, unter dem wissen, dass sie mir so lange zeit so fern war. schließlich kam auch er. er hielt mich an der hüfte, nachdem ich die blume zur urne in die erde warf und weinend in die arme meines vaters fiel. er hielt mich fest, und ich fühlte mich so sicher wie schon lange nicht mehr. ich umarmte ihn, und auch meine tante, die nun wieder neben mir stand, legte meinen kopf an seine brust und weinte. weinte, weil ich nicht mehr wusste, wie es weiter gehen sollte.


alle lachten und redeten, die vorherige trauer war verschwunden. und ich saß da und starrte in die leere. er saß gegenüber von mir, und ich hätte nichts lieber getan, als ihn zu umarmen, seine nähe zu spüren und in seinen armen zu weinen. wie gerne hätte ich ihm gesagt, wie schön es ist, dass er da ist. aber ich konnte nicht. auch er saß da und starrte in die leere, hörte, ohne dass es jemand bemerkte, den gesprächen zu und nickte oder schüttelte den kopf ein paar mal, ohne sonst etwas zu bewegen. ich starrte ihn an und die tränen sammelten sich erneut. ich ging immer wieder zur toilette und weinte, damit es niemand mitbekommt.
ich hatte mich grade zusammengerissen, starrte unbemerkt auf den boden, als er mit seiner hand wunk und lächelte, als ich ihn erschrocken ansah. müde? fragte er. ich nickte und flüsterte ja, lächelte unter tränen zurück und verspürte einen stich ins herz als er antwortete sieht man.
auch später, als mein vater kam und fragte wie gehts dir? broch es aus mir heraus, noch bevor ich mich dazu ermahnen konnte, mich zu kontrollieren. die tränen liefen und es schien kein ende mehr zu haben. ich drehte mich weg und er umarmte mich. es war schrecklich. schrecklich, so schwach zu sein. immer wieder schauten leute mich an und sagten ohh als sie sahen wie ich zitternd vor kälte meine winterjacke anzog oder einfach dasaß, abwesend und mit roten, brennenden augen.


es tut weh. sehr weh. da hat der pfarrer recht. aber in einem liegt er ganz und gar falsch: dies war kein abschied, den wird es niemals geben

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen