31 März 2014

ME

29 März 2014

ich wünschte ich könnte sterben. wenn ich nicht wissen würde, wie weh es tut, einen menschen für immer zu verlieren, zu hören, dass er tot ist und nie wieder kommen wird, vor dem grab zu stehen und nicht zu wissen, wie es jetzt weiter gehen soll, dann würde ich es tun. dann würde ich springen.
nachts einzuschlafen wird immer schwerer, egal wie groß die müdigkeit ist. morgens aufzustehen wird immer unerträglicher, egal welcher tag es ist. jede sekunde fühlt sich an wie ein weiterer stein, den ich mit mir herumtragen muss. wie eine schuld. denn das bin ich. schuldig. ich habe das gefühl, ich bin schuld an ihrem tod. und daran, dass es anderen leuten schlecht geht. dass alle aus meiner familie krank sind, egal welche art. ich bin schuld. das weiß ich. und das kann mir auch niemand mehr ausreden.
wie soll es weitergehen? wie soll ich weiterleben? wie soll ich mein abi schaffen? wie soll ich an meine zukunft denken, wenn die gegenwart nicht auszuhalten ist? ich weiß es nicht. und ich will es auch nicht wissen, denn alles was ich will ist sterben. ich will aufhören zu atmen, aufhören zu existieren.
es ist bald ein monat her, seit dem tod. und ich weine noch immer. tag und nacht denke ich an sie, denke an ihren tod. und seit gestern, an die beerdigung. ich will das nicht. ich will nichts mehr.
hol mich hier raus, ich kann das nicht mehr.

28 März 2014

mit gesenktem blick stehen wir da. alle meiden kontakt, ein gesprächsthema fehlt schon lange. nur sie. sie steht da und lacht. grinst mich an, als ich sie ansehe. beschämt gucke ich weg, stelle mich neben meine tante und empfange die leute.
mit der anzahl der menschen, die eingetreten sind, stieg auch die anzahl der tränen, die sich in meinem augen sammelten. ich drehe mich zur seite und unterdrücke meine gefühle, will nicht jetzt schon zeigen, wie weh es tut. ..die atmosphäre wird komischer, das warten ist seltsam. meine tante ging raus, und dann kam er. ich war so überrascht, dass ich nicht wusste, ob ich mich über das wiedersehen freuen oder weinen sollte. die tränen liefen. nur einmal guckte er mich an, während er sie im arm hielt.
irgendwann waren dann alle da. und wir saßen. vor mir das aufgebaute gedenken. es war wunderschön und herzzerreißend zugleich. ich fing an zu weinen, schon bevor der pfarrer kam. und nach und nach wurden mehr taschentücher benutzt, als wir alle halten konnten. die rede begann, und ich starrte nur auf sie. vor mir. asche und staub. und doch so wunderschön.
inmitten der gefühle von trauer, die sich durch unendlich fließende tränen wiederspiegelten, biss ich mir auf die lippe und presste die augen zusammen. ich konnte nicht mehr. schreien. ich wollte schreien. ich wusste nicht, wie ich überleben sollte, nach diesem moment. und es erforderte mehr kraft als ich gedacht hätte, einfach nur zu trauern.
draußen, umgeben von grabsteinen und pfeifendem wind, standen wir nun. und die tränen liefen unaufhörlich. meine tante und ich standen dort hand in hand, und drückten sie fest, um uns zu zeigen, dass wir nicht alleine sind. den ganzen tag hielt ich sie immer wieder an der hand, weil sie mir fehlte und weil ich ihr nah sein wollte. und auch jetzt laufen die tränen, unter dem wissen, dass sie mir so lange zeit so fern war. schließlich kam auch er. er hielt mich an der hüfte, nachdem ich die blume zur urne in die erde warf und weinend in die arme meines vaters fiel. er hielt mich fest, und ich fühlte mich so sicher wie schon lange nicht mehr. ich umarmte ihn, und auch meine tante, die nun wieder neben mir stand, legte meinen kopf an seine brust und weinte. weinte, weil ich nicht mehr wusste, wie es weiter gehen sollte.


alle lachten und redeten, die vorherige trauer war verschwunden. und ich saß da und starrte in die leere. er saß gegenüber von mir, und ich hätte nichts lieber getan, als ihn zu umarmen, seine nähe zu spüren und in seinen armen zu weinen. wie gerne hätte ich ihm gesagt, wie schön es ist, dass er da ist. aber ich konnte nicht. auch er saß da und starrte in die leere, hörte, ohne dass es jemand bemerkte, den gesprächen zu und nickte oder schüttelte den kopf ein paar mal, ohne sonst etwas zu bewegen. ich starrte ihn an und die tränen sammelten sich erneut. ich ging immer wieder zur toilette und weinte, damit es niemand mitbekommt.
ich hatte mich grade zusammengerissen, starrte unbemerkt auf den boden, als er mit seiner hand wunk und lächelte, als ich ihn erschrocken ansah. müde? fragte er. ich nickte und flüsterte ja, lächelte unter tränen zurück und verspürte einen stich ins herz als er antwortete sieht man.
auch später, als mein vater kam und fragte wie gehts dir? broch es aus mir heraus, noch bevor ich mich dazu ermahnen konnte, mich zu kontrollieren. die tränen liefen und es schien kein ende mehr zu haben. ich drehte mich weg und er umarmte mich. es war schrecklich. schrecklich, so schwach zu sein. immer wieder schauten leute mich an und sagten ohh als sie sahen wie ich zitternd vor kälte meine winterjacke anzog oder einfach dasaß, abwesend und mit roten, brennenden augen.


es tut weh. sehr weh. da hat der pfarrer recht. aber in einem liegt er ganz und gar falsch: dies war kein abschied, den wird es niemals geben

26 März 2014

"Für die beiden wird das sicherlich am schwersten. Es war schließlich deren Mama, beziehungsweise Oma. Du wirst da noch am besten mit klarkommen. Es wird vielleicht schwer an dem Tag des Begräbnisses, aber unter der Woche denkst du da nicht so oft dran. Das ist bei ihnen anders." Ich habe bei diesen Worten angefangen zu weinen. Und meinte trocken Naja mit einem verzweifelten Lachen. Hätte ich ihr von meinen Alpträumen erzählen sollen? Von meinen Zusammenbrüchen oder meinen unendlich vielen Tränen, die seit fast genau zwei Wochen Tag und Nacht fließen? Ich weiß nicht. Denn nur weil es niemand sieht, nur weil es niemand mitkriegt oder niemand nachfragt, heißt es nicht, dass ich es vergesse oder damit klar komme. In der Schule weine ich, wenn Lehrer mich ansprechen. Meine Mitschüler gucken mich entsetzt an, wenn sie es durch ein Lehrergespräch mitkriegen. Und ich möchte nichts mehr, als einfach davonzulaufen. Die Angst steigt, und die Einsamkeit auch. Mit wem kann ich denn noch reden? Es gibt niemanden. Die Tränen laufen und ich weiß nicht, wie ich weiterleben soll. Vorallem weiß ich nicht, wie ich den Freitag überleben soll. Ich möchte sterben. Möchte mit dir sterben, möchte dich nicht alleine gehen lassen. Möchte dich begleiten auf deinem Weg in den Himmel, damit du nicht alleine bist. Und ich wenigstens noch einmal die Chance habe, dir nah zu sein. Ich bin ratlos. Ratlos in allem. Und ich möchte nichts mehr, als dich noch einmal zu umarmen, noch einmal mit dir über das Wetter zu sprechen oder die vorbeifahrenden Radfahrer. Ich möchte dich anschauen und dein Lachen hören, dich umarmen und die Liebe durch deine Augen strahlen sehen. Ich habe dich so sehr geliebt. Jeder hat dich geliebt. Und jeder wird es immer tun.
Ich hoffe es geht dir gut, in zwei Tagen bist du im Paradies. Ich hoffe, es gefällt dir dort. Ich hoffe du fühlst dich wohl und passt auf uns alle auf, wie du es schon immer getan hast. Ich werde immer an dich denken, und dich immer lieben. Bis ich sterbe. Und noch viel länger.

22 März 2014

ich will weg hier. weg aus diesem haus, weg aus dieser gegend, weg aus diesem leben und weg aus all den erinnerungen.
schon immer habe ich mir gewünscht, umzuziehen, in eine bessere gegend, mit netteren menschen, in einen ort, eine stadt, in der ich mich wohlfühlen kann, in der nicht jeder meinen namen kennt und mich auf der straße beschimpft oder mich auslacht.
aber jetzt ist das alles etwas anders. es ist mir egal, oder besser gesagt, ich versuche es zu ignorieren und es hat die letzten jahre ganz gut geklappt, auch wenn ich einige richtungen meide. aber jetzt.. jetzt sind da diese leute. und ich fühle mich nicht mehr sicher. vorallem wegen ihm. ihm, und allen denen, die dazu gehören. ich habe angst, das haus zu verlassen, wenn ich alleine bin. ich habe angst, wenn mein hund bellt und zur haustür läuft, wenn es spät am abend ist. habe angst, dass wieder jemand da steht. ob er was hinterlässt oder nicht, allein der gedanke daran, dass wieder einmal jemand vor meinem haus steht und sich sagt "in diesem haus bist du grade, und ich stehe davor ohne dass du es weißt". ich weine, weil ich schreckliche angst habe. und es gibt niemanden, mit dem ich darüber reden kann. ich fühle mich beobachtet, und fürchte mich, wenn ich alleine bin. oftmals sitze ich in voller dunkelheit, auch wenn diese mich ängstigt, nur um den menschen, die am haus vorbeigehen, zu signalisieren, dass niemand da wäre. ich weine lautlos und zittere.
ich habe angst. schreckliche angst. und es hört nicht auf.
ich weiß nicht genau, was los ist. was das ist, was ich die ganze zeit fühle. und wieso ich dieses gefühl ständig habe. aber es ist unerträglich. und ich weiß nicht, was ich noch tun soll. ich fühle mich so komisch, dass ich es garnicht richtig beschreiben kann. nichtmal ansatzweise. aber ich wünschte, ich hätte jemanden wie sie jemanden hat. und ich wünschte, ich wäre ein so toller mensch wie sie. am liebsten würde ich die zeit anhalten, und so lange nachdenken, bis ich eine antwort gefunden habe. eine antwort darauf, was das für ein gefühl ist. und wie ich weiterleben kann, ohne es zu fühlen. denn es fühlt sich an, als würde ich nebenbei leben. als würde ich einfach alles tun, was man grade so tun kann, ohne auch nur darüber nachzudenken, nicht vorher, und auch nicht nachher. ich achte auf nichts und denke an nichts. ich fühle nichts. nichts, bis auf dieses seltsame gefühl.

der wind pfeift, als ich aus dem auto steige. wir gehen richtung bahnhof, der eingang erscheint größer, je näher man ihm kommt. der parkplatz erstreckt sich hinter uns in unendliche weite und wirkt einsam und leer. ich halte die arme verschrenkt und ziehe die jacke enger zu, um mich vor dem wind zu schützen. zielstrebig gehe ich auf den eingang zu, höre nichts, außer das pfeifen vom wind, und unbewusst auch die fahrenden autos. STOPP! ruft er, und ich zucke zusammen und schaue ihn erschrocken an. ein auto rast direkt vor mir die straße lang, und ich bedanke mich anschließend bei ihm. "kein ding. wir wollen ja nicht, dass du noch überfahren wirst" sagt er, und ich lache. er denkt, ich würde aus dem gleichen grund lachen wie er. dabei habe ich gelacht, weil ich es so komisch fand, dass jemand so etwas über mich sagt. 

21 März 2014

es tut weh. es tut unglaublich weh, und ich weiß nichtmal wieso. es tut weh immer den anderen zu helfen, und selber nicht klar zu kommen. zuhause zu sitzen, regungslos ins zimmer zu starren und das gefühl zu haben, eine klippe hinunter zu stürzen. niemand da der dich hält. wieso auch? jeder hat probleme. und ich erwarte auch nicht, dass sich die anderen dafür aufopfern, um meine zu lösen. aber wieso tut es dann so weh, dass es niemanden interessiert, dass es niemand wahrnimmt, dass es keine person gibt, mit der ich reden kann? wieso tut es weh, so alleine zu sein?
ich wünschte, ich könnte wegfahren. weit weg. einfach so, ohne jemandem bescheid zu sagen. jetzt würde ich normalerweise schreiben, dass es niemandem auffallen würde. aber doch, das würde es. weil ich nicht geputzt habe, weil ein schlüssel vergessen wurde und ich helfen müsste, weil es anderen schlecht ginge oder weil sie wissen wollen würden, was für hausaufgaben wir aufhatten oder was sie bei einer party anziehen sollen, zu der ich -wie immer- nicht mitkomme. und weil ich immer da bin, fast immer sofort antworte und helfe, so weit es geht, scheint ja irgendwas nicht zu stimmen. fünf minuten nicht am handy und die welt zerbricht, während ich zugucke. wieso mache ich das alles eigentlich? wieso sehe ich immer zu, dass die welt der anderen heile bleibt, und ignoriere dabei, dass meine eigene welt in tausend einzelne splitter zerbricht, welche mir immer mehr und immer tiefere wunden zufügen. ich fühle mich schlecht, wenn ich das wohl anderer für einen moment nicht über meines stelle und ihnen schreibe, dass ich keine zeit habe, weil es mir selber schlecht geht. ich gucke auf mein handy, überprüfe die online-statusse von den menschen, die mir wichtig sind, um zu sehen, ob sie noch leben und sicher zu gehen, dass sie noch im stande waren whatsapp zu öffnen und dass ihnen kein tragischer unfall passiert sein kann. ich schaue auf mein handy, und bin enttäuscht, dass mir keiner schreibt. und eher gesagt, dass keiner fragt, wie es mir geht, oder einfach mal schreibt, dass er mich gerne sehen würde oder dass er froh ist, dass er mich hat.
ich weiß auch nicht. ich bin nicht sauer auf die personen, und ich tue es gerne, weil sie mir wichtig sind und ich möchte, dass es ihnen gut geht, und ihre welt heile bleibt. eben genau weil ich weiß, wie schrecklich es ist, wenn man barfuß in scherben steht.

was mache ich überhaupt? ich tanze nicht mehr. und es ist mir erst jetzt aufgefallen. ewigkeiten scheint es her zu sein, dass ich getanzt habe. wirklich getanzt. und das tut weh, unglaublich weh. denn tanzen ist das, was mich seit jeher definiert hat. tanzen ist doch eigentlich mein leben. tanzen bin doch eigentlich ich.
und was bin ich jetzt?

11 März 2014

letter to heaven

Meine geliebte O, 
heute ist es eine woche her und die tränen steigen mir schon jetzt erneut in die augen. wie sehr wünsche ich mir, du wärst noch hier. wie sehr wünsche ich, ich könnte dich noch einmal umarmen und deine warmen hände über meinen rücken streichen fühlen. wie gerne würde ich dir noch einmal sagen, wie unendlich wichtig du mir bist und wie sehr ich dich liebe. 
ich weine tag und nacht. ich vermisse dich in jeder sekunde, aber reden tue ich mit niemandem. deine kleider liegen in meinem zimmer und ich schaue sie nachts an, wenn ich wieder mal nicht schlafen kann und weinen muss. deinen schmuckkasten werde ich reparieren lassen und mir die tanzende ballerina stundenlang ansehen, wie ich es auch sonst immer getan habe. ich werde bilder von dir aufhängen, so viele wie möglich. ich werde alles tun, damit du so nah bei mir bist, wie es nur möglich ist. weil ich viel zu selten zeit mit dir verbracht habe. ich habe es viel zu wenig geschätzt, dich zu sehen und dich als meine familie bezeichnen zu dürfen. 
ich habe angst, oma. ich habe so schreckliche furchtbare angst, ab jetzt ohne dich zu sein. schon diese eine woche habe ich kaum überstanden. kein tag verging, an dem ich nicht an dich gedacht habe. kein tag verging, an dem ich nicht vor schmerz weinen musste. ich habe so schreckliche angst, dich zu vergessen. auch wenn ich weiß, dass das niemand möglich sein wird. 
ich verspreche dir, dass ich meinen kindern und enkelkindern von dir erzählen werde, und vielleicht sogar, so wie ich das glück hatte eine zu sein, meinen urenkeln. jeder soll wissen, dass es dich gegeben hat. jeder soll wissen, dass es dich für immer gibt. 
du bist ein teil von mir, ein sehr großer. und der wirst du immer bleiben. 
und ich wünschte, ich hätte noch einmal die gelegenheit dir all das zu sagen. 
ich zähle die tage, bis ich mich von dir verabschieden muss. und die angst wächst sekündlich. wärst du doch bloß hier und würdest mir sagen, dass alles gut werden wird. 
ich weiß nicht, wie ich das alles schaffen soll. ich weiß nicht, wie ich damit leben soll, so selten bei dir gewesen zu sein und so wenig für dich getan zu haben. ich weiß nicht, wie ich so tun soll, als wäre alles okay, wenn du weg bist. denn es ist garnichts mehr okay. ich will dich zurück. ich will nicht wahrhaben, dass du nie wieder kommen wirst. ich will dein lachen hören, deine hände in meine nehmen und dein lächeln sehen. 

selbst vor dem beenden dieses briefes habe ich angst.
aber ich möchte dir eines versprechen, meine geliebte oma. 
niemals, in aller ewigkeit nicht, werde ich dich vergessen. nie werde ich aufhören dich zu lieben, und nie werde ich aufhören, an dich zu denken. ich verspreche dir, dass du für immer bei mir bleiben wirst, und ich werde für immer bei dir sein. über den tod hinaus, auch wenn er uns nun auf menschlicher ebene getrennt hat. dein name wird immer präsent sein, denn erst wenn der name das letzte mal erklingt und es anschließend still wird, ist jemand gestorben. und du stirbst nicht. nicht für mich. denn ich liebe dich. für alles was du warst, für alles was du getan hast und mir und meiner familie gegeben hast. für alles was du gesagt hast und für jede umarmung, die du mir gabst. 
in jeder kerze, die ich anzünde, wirst du leuchten. in jedem stern, der bei einbruch der dunkelheit am himmelszelt erscheint, wirst du strahlen. in jedem lachen, was über meine lippen kommt, wirst du leben.
ich liebe dich, oma. ein leben lang. und noch viel länger. 

jedem ist es egal, wie es mir geht. das sage ich nicht nur so, sondern das merke ich jeden tag. keiner nimmt rücksicht auf mich. keiner nimmt rücksicht auf das, was mit mir passiert, was mich verändert, was mich verletzt. sie sagen in einem moment wow, ich bin stolz auf dich und ich freue mich, weil ich so glücklich bin, das zu hören, weil ich so glücklich darüber bin, endlich mal etwas richtig und gut gemacht zu haben. und schon in der nächsten sekunde fragen sie mich, was ich denn gemacht habe und vergessen ihren eben genannten satz. es passiert so oft, und es tut so unglaublich weh. und es gibt niemanden, mit dem ich darüber reden kann. es ist niemand da, der mir mal richtig zuhört. niemand da, der mich ernst nimmt.
ich ziehe mich in mein zimmer zurück und verpüre den drang, fortzulaufen. ich schweige und das einzige was ich will ist nur reden. ich sage nein. immer. 

10 März 2014

Es tut schrecklich weh, so allein zu sein. Es ist niemand da, der dich in den Arm nimmt, weil ihm danach ist. Es ist niemand da, der deine Tränen sieht und sie wegwischt. Es ist niemand da, der dich fragt wie es dir geht und sich auch wirklich dafür interessiert. Es ist niemand da, der dich versteht. Es ist niemand da, der versucht es zu tun.
ich kann mit leuten über meine probleme reden, aber sie hören nicht zu. ich könnte ihnen erzählen, dass ich nächtelang mit tränenüberströmtem gesicht auf meinem bett sitze und mein kopf vor schmerzen zu platzen scheint, dass ich nicht aufstehen kann weil jede kleinigkeit wie ein blitzschlag durch meinen körper ist. und sie würden mich trotzdem anlächeln. weil sie nicht zuhören. weil es sie nicht interessiert.
ich will doch nur jemanden, der mich versteht. der mich wirklich versteht. und zur abwechslung auch mal für mich da ist. ich will nicht immer dasitzen und denken "Na, wie lange hält das noch an, dass du 'für mich da bist'? Wann tritt der Augenblick ein, in dem ich wieder egal werde und deine Probleme lösen soll?"
erst heute morgen wurde ich wieder in meiner unwichtigkeit bestätigt. nach einer weiteren furchtbaren nacht bin ich mit geschwollenen augen und verquollenem gesicht aufgewacht, meine augen knallrot. ich habe die getrockneten tränen auf meinen wangen gespürt. ich hatte im schlaf weitergeweint.
ich schau kurz auf mein handy und lese seinen text durch. dann schreibe ich
 ihm, dass er mir nicht jeden abend schreiben soll. weil ich es nicht ernst nehme. weil er sagt, dass ich ihm wichtig bin und er mir helfen will, aber er tut trotzdem nicht das, worum ich ihn bitte. ist es so schwer? ich schreibe mit zitternden händen und verschwommenem blick

ich weiß du meinst es nur gut, 
aber ich möchte nicht jeden abend 
einen text bekommen, 
auch wenn das echt lieb ist

ich gehe ins bad, schaue mich, jedes mal wenn ich mein spiegelbild erhasche, erschrocken an. was ist bloß mit dir passiert? wie konntest du dich so verändern? aber die wichtigste frage, die mir seit fast genau einer woche durch den kopf geht ist: wieso geht es nur mir so? 
wieso leide ich nur ich? wieso scheint es allen anderen so egal zu sein? 

mir fällt es schwer zu essen, schlafen ist unmöglich. die kopfschmerzen werden von tag zu tag schlimmer, das gefühl jede sekunde zu zerspringen hört nicht auf. nichts hilft. niemand fragt. 

ich kehre zurück in mein zimmer, setze mich aufs bett, rücke das handtuch mit dem ich meine nassen haare eingewickelt habe zurecht. schlage die beine übereinander, halte mir den bauch. fett. du bist so unglaublich fett. ich nehme mir mein handy in die hand, öffne langsam die hülle und starre auf den display.

mist, ich wollte wenigstens 1 mal 
22:22 trefen :D:D

ich bin wie erstarrt. minutenlang sitze ich da, der display verdunkelt sich. schwarz. ich sitze noch ein wenig so dar, bis ich mich schließlich bewege und das handy zurück auf die fensterbank lege. an den rest erinnere ich mich nicht mehr. 
irgendwann gehe ich ins bad zurück, mache mich fertig. als ich fertig angezogen bin, meine haare geföhnt und mich ein bisschen geschminkt habe, lege ich mich auf mein bett. kerzengrade liege ich da, schließe für ein paar sekunden die augen und öffne sie sofort wieder. tränengefüllt liegt mein blick in der leere. ich schaff das nicht.

in der schule kaufe ich mir was zu essen, ich habe mir nichts eingepackt, mir war nicht nach essen zumute. als ich im unterricht saß, wurde mir so schlecht, dass ich in der pause als erstes in die mensa lief und mir ein brötchen bestellt habe. noch bevor alle anderen da waren. so schnell und unbemerkt wie es ging, eilte ich zurück zum raum. ich habe nicht mitgezählt, wieviele leute ich angestoßen habe, aber es waren viele. keiner sollte sehen dass ich mir essen geholt habe. keiner sollte sehen, wie schwach ich bin. keiner sollte sehen, wie die tränen sich in meinen augen sammelten. keiner sollte sehen, dass ich noch existiere.

das wetter ist schön, die sonne strahlt und die luft ist herrlich warm. seit mehreren stunden aber sitze ich schon in meinem zimmer, was ich wie immer abgedunkelt habe. ich weine lautlos und schreibe an meinem schulprojekt weiter. was sollte ich auch anderes tun. ich überlege, schwimmen zu gehen, schäme mich aber, vor andere leute zu treten. vielleicht sollte ich mich bräunen, um mich schöner zu fühlen. aber auch hier zuhause möchte ich mich nicht vor anderen zeigen. auch wenn ich alleine bin. 


heute nacht werde ich wieder nicht schlafen können