26 April 2014

kennt ihr das, wenn ihr dasitzt und den drang habt zum weinen, einfach weil das leben euch so große angst macht? es ist rein garnichts passiert, außer das übliche, der alltag und ein paar streitereien. und trotzdem sitze ich hier, und habe wie immer dieses komische gefühl im bauch, als würde sich ein ozean bilden aus tränen. ich fürchte mich vor allem. es scheint mir, als würde ich die unverzeihlichsten dinge begehen indem ich hier sitze und lebe. ich denke darüber nach, dass ich ein viel besserer mensch wäre wenn ich nun nach nebenan ins wohnzimmer gehen würde um meiner mutter gesellschaft zu leisten. ich denke darüber nach, dass ich irgendwann nicht mehr hier in diesem zimmer sitze, sondern irgendwo ganz woanders. das hier wird nicht mehr mein zimmer sein. ich bin alleine. ausgezogen von zuhause. nicht mehr die umstände wie jetzt. keine schule. nicht dieselbe umgebung. ich bin auf mich gestellt, komplett und ohne ausnahme. ich muss das alles alleine schaffen. ich muss besser sein als jetzt und finde es jetzt schon so unglaublich anstrengend, dass ich mich frage, wie meine mutter es überhaupt mit zwei kindern so weit geschafft hat. wie machen all die menschen das, die jetzt auf der erde leben und ihre zukunft bereits leben. wie haben sie es alle geschafft, überhaupt zu überleben? in mir dreht sich alles, und die schmerzen verschlimmern mir die situation. ich will nicht schon wieder weinen. ans schlafen denke ich garnicht erst, denn das hat auch die letzten tage nicht funktioniert und mir nur tränen eingebracht, sobald die nacht einbrach. und nun? ich fühle mich wie ein kleines mädchen, wie ich damals oben in meinem kleinen zimmer lag, angst hatte vor der neue schule und mit tränenden augen an die decke gestarrt habe. ich hatte angst sie zu rufen, weil ich ständig geweint habe und mir so schrecklich schwach vorkam. das ist doch nicht normal. wieso bin ich so? ich will normal sein, will sein, wie all die anderen kinder. und als ich da lag, und still vor mich hin weinte, da hatte ich auch dieses komische gefühl. eine neue schule. neue leute, neue lehrer. gymnasium. ein neuer lebensabschnitt, ein weiterer schritt in meine zukunft. und ich hatte solche angst. wollte meine mama stets bei mir haben, habe mich vor der schule an sie geklammert und bin aus dem unterricht rausgerannt, weil ich zu ihr wollte. und wenn sie dann merkte, dass ich geweint habe, dann hat sie mich in den arm genommen und ich habe mich so sicher gefühlt wie noch nie. ich habe in ihren armen geweint, mein körper sicher in ihren händen, mein herz sicher durch ihre liebe. und doch ist es gebrochen.
und es bricht immer weiter. und irgendwann ist sie nicht mehr da um mich im arm zu halten und mir die haare aus dem gesicht zu streichen, die sie selbst heute noch oft bürstet oder während ich mir für die schule fertig mache einmal mit ihren händen überstreicht und sie anfässt, weil sie es so gerne mag. irgendwann ist sie nicht mehr da, um ihr kleines mädchen zu beschützen und sie mit offenen armen zu empfangen, wenn ich weinend auf sie zugehe.
irgendwann ist sie nicht mehr da, um mein herz in ihren sicheren händen zu halten. denn wenn sie geht, dann zerbricht es und es ist niemand da, der es fängt. wenn sie geht, geh ich auch.

ich habe vor vielem angst. vor sehr vielem. aber vor nichts habe ich so große angst, wie davor, sie eines tages zu verlieren.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen