Lieber M.,
ich weiß nicht wieso ich jetzt schreibe und wieso es so wehtut, dich auf Bildern zu sehen, denn eigentlich ist das mit uns Vergangenheit. Ich dachte ich hätte damit abgeschlossen, mit dem was zwischen uns war, mit dem, was uns verbunden hat, und mit unserer Liebe. Ich habe mich sogar gefragt, ob das überhaupt Liebe war. Wir konnten nicht mit und nicht ohne einander, haben es kaum ausgehalten zusammen zu sein, aber sobald wir getrennt waren, hat irgendwas gefehlt. Irgendwie tut es das heute noch. Ich kann nicht sagen, ob ich das, was war, zurückhaben möchte, das konnte ich auch damals nicht. "Damals".. So lange ist es eigentlich noch garnicht her. Und doch fühlt es sich an, wie eine Ewigkeit. Ich weiß, dass ich viele Fehler gemacht habe und manche davon sogar mehrmals, und dass ich zu oft mit mir selbst beschäftigt war. Das mit uns hat sich richtig angefühlt, aber es war immer der Gedanke da, dass es garnicht richtig sein kann. Wir haben entweder die unglaublich schönen Momente miteinander erlebt oder die unerklärlich schlechten, und das tut mir leid. Es hätte so schön werden können. Es hätte so anders werden können und unser Buch hätte noch tausend unbeschriebene Blätter, hätten wir, und hätte vorallem ich mich anders verhalten. Ich kann bis jetzt noch nicht sagen, ob ich mich nun ändern würde, ob es jetzt einen neuen Start, eine neue Geschichte und ein neues Ende geben könnte oder ob wir in die Gewohnheiten verfallen würden, die uns auseinander gebracht haben.
Ich könnte unendlich viele Wörter aneinanderreihen, und so schön sie auch klingen würden, so sinnvoll sie dann auch sein mögen, was ich wirklich will, kann ich dir wohl nie sagen. "Du hast keine Ahnung von der Liebe" hast du mir mal gesagt. Und ich glaube, du hast recht. Ich weiß so wenig von Liebe, weil ich durch die endlosen Enttäuschen und Vertrauensbrüche den Glauben daran verloren habe. Und ich denke, der Glaube an die Liebe ist genau das, was liebende Menschen in jeder noch so schwierigen Situation zusammenhält. Und anstatt festzuhalten, habe ich losgelassen.
Eine Entschuldigung erscheint mir nicht angebracht und ein Abschied ebenso wenig. Ich hoffe nur, dass ich dir nicht den Glauben an die Liebe genommen habe, denn das, mein lieber M., ist das schlimmste was dir passieren kann.
In Gedanken an Dich,
deine Alice
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