23. April 2013:
ich sitze im zug und schaue in die an mir vorbeischweifende gegend. menschen löchern mich mit ihren blicken, ich verkneife die tränen und bleibe stark.. versuche es zumindest. der zug wird langsamer, die leute unruhiger. ich starre auf die schienen und setze mich gedanklich auf sie rauf, lege mich hin und schlafe friedlich ein, springe auf sie als ein zug vorbeifährt. bleibe dort, bis es zu spät ist. bleibe dort, bis ich tot bin. ich stelle mir vor, wie ich auf den schienen tanze und in einer pirouette von dem zug erfasst werde. aufeinmal rast einer direkt an meinem fenster vorbei, und der zug in dem ich mich befinde, setzt zum weiterfahren an. ich zucke zusammen und drücke mich mit zusammengekniffenen augen in meinen sitz.
ich laufe auf die ampel zu, die ich überqueren muss um in die direkte innenstadt zu gelangen. die musik dröhnt über die kopfhörer in meinen ohren, ich schaue auf den boden. als ich meinen kopf aufrichte, folge ich den blickrichtungen der menschen, die auf die straße aufwärts gerichtet ist. das erste was ich sehe sind mehrere, vier oder fünf, polizeiwagen. was ich dann sehe, verschlägt mir den atem. zwei polizisten knien auf dem boden, zwischen ihnen ein mann, der auf dem asphalt liegt als wäre es sein bett in das er sich nach einem harten arbeitstag reinfallen lassen hat. er rührt sich nicht. sein rechter arm ist ausgestreckt, ein paar zentimeter von seiner hand entfernt liegt seine aktentasche. er hat einen anzug an. noch immer rührt er sich nicht, er ist leblos, alles was man sieht sind die bewegungen der polizisten, durch die sich der körper des mannes bewegt. sie schütteln ihn. seine augen sind geschlossen, wenn man nur sein gesicht betrachtet hat man den eindruck er würde tief und fest schlafen. er schläft, ja. aber er schläft zu fest. zu tief. die ampel wird grün und den menschen fällt es schwer sich zu bewegen. alle überqueren die straße, als ich auf die nächste ampel zulaufe höre ich den krankenwagen kommen. ich drehe mich um und sehe, wie der wagen immer näher an den schlafplatz des mannes fährt. zu dem mann, der zu fest schläft.
24. April 2013, heute:
"zieh mal deinen Speck ein, ich will den nicht sehen" sagt sie zu mir, während sie gegen meinen bauch drückt. Ich lache ein wenig auf und schaue ihr ins Gesicht, in der Hoffnung einen Gesichtsausdruck zu sehen, der mir sagt, dass sie es nicht ernst meint, aber ich finde ihn nicht. Er existiert nicht. Er würde auf keinem Gesicht existieren, wenn jemand so etwas zu mir sagt. fett. du bist fett. Ich fange mich wieder, nehme ihre Hand und signalisiere ihr, wo wir langgehen. Der Tag setzt sich fort als wäre nichts passiert und der Satz wiederholt sich einem Kopf wieder und wieder.
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