Lieber J,
um ehrlich zu sein weiß ich nicht wirklich, was ich dir alles sagen will, dabei fühlt es sich an, als könnte ich Romane verfassen mit all den Dingen, die ich dir so gerne erzählen oder dich fragen möchte. Es ist komisch, dieses Gefühl, was in mir entsteht wenn ich bei dir bin. Und ich kann es weder beschreiben noch habe ich es schon einmal gefühlt. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist. Einerseits bin ich unglaublich froh, einen Menschen wie dich in meinem Leben zu haben, aber andererseits fühlt es sich falsch an. Falsch, weil ich weiß, dass du eines Tages nicht mehr da sein wirst. Weil ich weiß, dass du mich verlässt, wie alle anderen auch. Und das schon früher als gedacht. Als du mir von deinem Abflug erzählt hast, hat es sich angefühlt, als würde jemand auf die bereits zerbrochenen Scherben meines Herzen einstechen. Ich kann es nichtmal annähernd beschreiben, wie sehr es wehtat zu hören, dass du fort gehst. Ich habe dir nie erzählt, wie sehr und wie oft ich wegen dir geweint habe und ich habe auch nicht vor, das zu tun. Es ist schließlich nichts neues, dass Menschen, die ich so gern habe, mich verlassen. Und zudem will ich nicht, dass du weißt, wie viel du mir eigentlich bedeutest. Und das ist totaler Schwachsinn. Das weiß ich selber, aber abstellen kann ich das nicht. Ich will nicht, dass du weißt, wie abhängig meine Laune oftmals von dir war, wie glücklich und traurig mich deine Nachrichten gemacht haben. Ich will mir selber nicht eingestehen, wie viel du mir bedeutest, und ich will dir erst recht nicht zeigen, wie sehr es wehtut, dich bald gehen lassen zu müssen. Ich weiß, ich muss nicht auf dich warten, ich weiß, du verlangst das nicht, aber es fühlt sich falsch an wenn ich mir vorstelle, dass es da jemand anderen als dich gibt. Es fühlt sich an, als würde ich dich hintergehen, auch wenn das garnicht stimmt. Ich meine, wer gibt mir denn schon die Sicherheit, dass du wiederkommst? Wiederkommst zu mir? Wiederkommst als der, der du bist und mit den selben Gefühlen wie jetzt? Wer versichert mir, dass du mich jetzt überhaupt so sehr magst wie ich dich? Und wer verdammt versichert mir, dass du mich überhaupt vermisst?
Ich sage dir immer wieder, was für ein großes Rätsel du für mich bist. Und trotz allem könnte ich es jedem immer und immer wieder erzählen, denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie jemand wie du, jemanden wie mich mögen kann. Ich weiß, wie bescheuert das ist, aber du weißt, dass das bei mir so ist. Und dass es wahrscheinlich immer so sein wird.
Oft wünsche ich mir, dass du da wärst. Oft wünsche ich mir deine Arme um meine Hüfte, deine Lippen auf meinen oder einfach deine Stimme. Weil du so viel für mich bist. So viel mehr als ich eigentlich will. Einfach weil du bist wie du bist, und ich es liebe.
Ich fühle mich wie ein bekloppter 12-jähriger Teenager, wenn ich das alles über dich schreibe. Und ich habe Angst, dass du das alles irgendwann liest, denn ich kann mir im Moment nicht vorstellen, ohne dich zu leben. Und ich will es auch nicht. Aber ich weiß, dass irgendwann der Tag kommen wird, an dem du gehst. Für immer gehst. Es ist nicht das Datum im Oktober, was mir so große Angst bereitet, sondern die Unsicherheit. Darüber, was ich für dich bin. Und darüber, wie du dich fühlst, wenn ich da bin oder nicht da bin. Was das für ein Gefühl für dich ist, wenn ich neben dir liege oder du neben mir aufwachst. Wenn du mich küsst oder mich berührst. Was das für ein Gefühl ist, wenn wir einfach daliegen und reden, über Gott und die Welt. Wenn wir miteinander lachen oder ich dir bei Auftritten zugucke. Manchmal wünschte ich, ich könnte deine Gedanken lesen und all das erfahren. So oft brennen mir all die Fragen auf der Zunge, wenn wir miteinander reden. Aber nie frage ich. Nie rede ich darüber. Denn ich weiß nicht, ob ich die Wahrheit verkraften könnte. Und auch nicht, ob ich überhaupt will, dass du weißt, dass ich mich all die Fragen frage.
Denn für mich gibt es nichts schlimmeres als Gefühle. Ich weiß nicht wie ich mit ihnen umgehen soll und sie überfordern mich. Und je länger ich mit Menschen zutun habe, desto schwieriger wird es für mich, sie zu kontrollieren. Und ich will nicht, dass du einer der Menschen bist, bei denen ich die Kontrolle verliere.
Weil ich will, dass du mich magst.
Und dass du bleibst.
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